Urban Gardening im deutschen Kollektivgedächtnis

Reichtstag
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Urban Gardening 1945 und 2015
Die Wiederkehr des Verdrängten
Kommentar mit 4 Abbildungen

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Urban Gardening für mehr Volksgemeinschaftsgeist

Dem „Beete-Rebell“, der an Eimsbütteler Gehwegen Blumebeete anlegt (siehe drei Bilder weiter unten), geht es um mehr Sicherheit und Sauberkeit. Dafür pflanzt er Stiefmütterchen und Heiderosen und zwingt anderen so seine Vorstellung von Ordnung auf. Unterstützt von Linkspartei, CDU und BILD kann er sich gegen kommunale Behörden durchsetzen, die – oft mit sinkenden Etats – für die Gestaltung der Park- und Gartenanlagen, Stadtplätze und Grünzüge zuständig sind und dabei die Ästhetik des Stadtbildes mit den Möglichkeiten vielfältiger öffentlicher Nutzung (Flanieren, Joggen etc.) vermitteln müssen.

Schlimmer
noch als der übergriffige Annexionismus dieser privaten Blumen-Gärtner ist der Urban Gardening-Trend. Während der ideologische Horizont der Beete-Rebellen nicht sonderlich utopistisch ist, da er sich überwiegend im Rahmen von Recht & Ordnung bewegt, bietet das Urban Gardening den symbolischen Mehrwert einer kompletten Weltanschauung, die derzeit unter dem Schlagwort der „Essbaren Stadt“ verhandelt wird.

Als europäisches Mekka der „Essbaren Stadt“ gilt der englische Ort Todmorden. Statt Stiefmütterchen wachsen hier Kräuter und Gemüse in den Blumenkästen, in den Parks stehen Obstbäume neben den Gemüsebeeten und Kinder lernen in der Schule, ihr eigenes Essen anzubauen.

Die Lobreden auf die „Essbare Stadt“ kommen meist schon nach wenigen Sätzen auf den Punkt: Gemeinsamer Gemüseanbau auf (von den Behörden zur Verfügung gestellten) öffentlichen Flächen …

• stärkt den Gemeinschaftsgeist.
• drängt Kriminalität und soziale Probleme zurück.
• ist eine kollektive (kommunale) vorbeugende Maßnahme für eine mögliche globale Krise
(wahlweise Klimawandel, Ölkrise, Wirtschaftskrise).
• bedeutet regionale Kreislaufwirtschaft und Selbstversorgung und sorgt für Unabhängigkeit von in- und ausländischen Konzernen.
• ist Einübung einer neuen Überlebenskultur und macht uns wieder vertraut mit echt deutschen heimischen Nutzpflanzen.
• hilft gegen unsere schleichende Vergiftung und sichert so das langfristige Überleben der Deutschen (so heißt es im rechten Milieu)
• ist ein Beitrag zur Rettung von Gottes Schöpfung (so spricht man im evangelikalen Milieu)
• fördert die Integration von Einwanderern aus agrarisch geprägten Gesellschaften (zur Illustration gibt es ein Bild von Kopftuchfrauen)

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Urban Gardening ist also anschlussfähig für:

• die verzweigte Verschwörungsideologie-Szene.
• lebensphilosophische und andere Naturverklärer.
• linksalternative Sprücheklopfer und Weltretter. („Eine andere Welt ist pflanzbar“, „den Boden denen, die ihn bebauen“).
• archaische Familienclans (die sich größere Parzellen privat sichern).
• neoliberale Staatsgegner und Privatisierer (weniger Staat ist mehr Freiheit)

Es ist klar, dass „städtische Landwirtschaft“, zumal in der Variante eines stümperhaften Urban Gardening, für die Versorgung der Städte nie relevant sein wird und dass das in der Stadt angebaute Grünzeug voller Zink, Blei, Kupfer, Nickel, Cadmium etc. ist, also höchst ungesund.

Die Bedeutung dieses stadtbäuerlichen Trends liegt also allein im Symbolischen. Mit Glück verläuft sich diese Bewegung wieder, bevor aus ihrer Mitte ein neuer Fidus auftaucht, der der „vergifteten“ Stadt die Blut-und-Boden-Ideologie der brauen Biobauern entgegensetzt.

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Einige Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Fidus
http://www.krisenfest.org
http://cms.bistum-trier.de
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35114/1.html
http://www.vgoed.de/download_forum/forum_2013_2_spfo132a.pdf
http://www.verantwortung-erde.org/villach-die-essbare-stadt/
http://www.spiegel.de/wirtschaft/braune-biobauern-verunsichern-die-oeko-szene-a-855140.html

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Ein Blog der IGDRA

Jens Kerstan unterstützt Urban Gardening

Jens Kerstan
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Urban Gardening 1945 und 2015
Die Wiederkehr des Verdrängten
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Urban Gardening und die deutsche Erinnerung

NDR, 08.08.2014
Grüne unterstützen Urban Gardening

Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen möchte in Hamburg die Anpflanzung von Obst, Gemüse und Kräutern fördern, die jeder Bürger pflegen und ernten kann. Unter dem Motto „Hamburg essbar machen“ pflanzten am Freitag im Kellinghusenpark Jens Kerstan, Vorsitzender der Fraktion, Martin Bill, umweltpolitischer Sprecher, und Carmen Wilckens, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bezirk Nord, Himbeeren und Brombeeren.

„Wir wollen den öffentlichen Raum zu einem Gemeinschaftsraum gestalten“, sagte Kerstan. Grünanlagen seien für alle da.

Über ihre Fraktionen in den Bezirken wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass die Stadt bei Nachpflanzungen künftig Obstbäume, Beerensträucher oder Kräuter in die Beete setzt. Außerdem sollen Bürger dabei unterstützt werden, wenn sie in Eigeninitiative vor ihrer Haustür den Straßenrand bepflanzen wollen.

In den Hamburger Bezirken stößt der Vorschlag der Grünen auf verhaltene Zustimmung, wie NDR 90,3 berichtete. Im Bezirk Eimsbüttel gibt es sogar Ärger. An einer Ecke ließ der Bezirk ein von einem Bürger angelegtes Beet beseitigen. Anwohner zeigten sich verärgert.

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Schwarzgrünes Bürgertum: Jens Kerstan

Kerstan ist Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft und der schwärzeste unter den schwarzen Hamburger Grünen. Er war der erste, der sich dafür aussprach, dass die Grünen – wie zuvor die Schill-Partei – eine Koalition mit Ole von Beust eingehen. Während der Zeit des schwarzgrünen Senats wurde Kerstan Vorsitzender der Öko-Bürgerschaftsfraktion. Er war auch der erste, der für die Fortsetzung von Schwarzgrün unter dem Burschenschafter und Beust-Nachfolger Ahlhaus warb.

Kerstan stimmte schon als „Oppositions-Politiker“ (in Hamburg gibt es keine Opposition) allen Privatisierungs-Projekten des Rechtsenates zu. (Kerstan stimmte für den Agaplesion-Bau auf kommunalem Grund und – anders als etwa Kersten Arthus von der Linkspartei behauptet –, war er – wie Martin Schäfer (SPD) – nicht gegen die Privatisierung der kommunalen Kliniken, sondern gegen den zu niedrigen Verkaufspreis).

Dass Kerstan ein neoliberaler Gegner des „Wohlfahrtsstaates“ ist, sagt er selbst in seinem Buch „Demografie und Demokratie: Zur Politisierung des Wohlfahrtsstaates“, das 2012 von Reemtsmas Verlag herausgegeben wurde. (Inhalt: der demografische Wandel entzieht dem „Wohlfahrtsstaat“ die Grundlagen, weshalb mehr staatliche Aufgaben von privaten Anbietern übernommen werden müssen).

Im Hamburger Abendblatt heißt es zu Kerstan:

„Er ist einer der Architekten des schwarz-grünen Bündnisses. 2002 zog er in die Bürgerschaft ein und kümmerte sich fortan um Wirtschaftspolitik – mit Forderungen nach weniger Staat wirkte er dabei gelegentlich wie ein FDP-Mann. Er schmiedete schließlich das Bündnis mit der CDU. Seine Vita passt zu der These, wonach sich in einem schwarz-grünen Bündnis das Bürgertum wiedervereinigt. Alle gut ausgebildet und gut betucht.“

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Zitate

„Wir wollen den öffentlichen Raum zu einem Gemeinschaftsraum gestalten, sagte Kerstan. Grünanlagen seien für alle da.“ (NDR)

Für die Grünen geht es beim Urban Gardening um einen pädagogischen Nutzen, denn das Gestalten der öffentlichen Räume würde das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.“ (Sat 1 regional)

Urban Gardening bietet große Chancen für soziale Integration, Förderung von Nachbarschaft und für die Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln“ (Kerstan, Kleine Anfrage an den Senat)

Urban Gardening statt Suppenküchen:
„Während sich vor den Tafeln die Schlangen bilden, könnte doch viel besser im öffentlichen Raum für Nahrung ansatzweise gesorgt werden.“ 18.03.2015

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Deutsche Erinnerung:
Gemeinschaftsraum, Gemeinschaftsgefühl, Förderung von Nachbarschaft, Selbstversorgung

An wen denkt der Grüne, wenn er sagt: „Grünanlagen sind für alle da“? Es gibt ja keine Kontrollen und Zugangsbeschränkungen. Außer: Man darf dort zum Beispiel kein Wochenendhaus hin bauen und keine Bäume absägen. Parks sind tatsächlich für alle, die dort flanieren, rumsitzen oder rennen wollen. Parks sind also schon ein „Gemeinschaftsraum“.

„Gemeinschaft“ aber nicht im Sinne von Volksgemeinschaft, sondern einer Gemeinschaft der einzelnen Bürger, die im Kapitalismus gerade nicht verpflichtet sind ihre Nachbarn zu lieben oder deren Stiefmütterchen-Geschmack zu teilen.

Da Kerstan mit „für alle“ und „Gemeinschaftsraum“ etwas fordert, was es längst gibt, bleibt nur der Schluss, dass ihm eine andere Art von Gemeinschaft vorschwebt, nämlich so etwas wie „Gemeinschaftsgeist“, der durch kollektives Schaufeln entsteht, gemeinschaftsfeindliche Bestrebungen durch soziale Kontrolle unterbindet und durch kollektive Rituale eine Survival-Kultur entwickelt: „Selbstversorgung“ für die „Krise“, die auch Krieg heißen kann.

Natürlich glaubt Kerstan nicht, dass im Stadtpark angebaute Brombeeren beim nächsten Waffengang von Deutscheuropa irgendjemand helfen würden, aber erstens geht es ihm nicht um die Beeren, sondern um den Gemeinschaftsgeist und zweitens teilen sich solche Phantasien zuerst immer unbewusst mit.

Urban Gardening betrieben die Deutschen unfreiwillig nach der bedingslosen Kapitulation 1945, nachdem sie die europäischen Juden ermordet und ganz Europa (inbesondere die Sowjetunion) verwüstet hatten. Urban Gardening, das damals noch innerstädtischer Ackerbau genannt wurde, gehört zum (geschichtsrevisionistischen) kollektiven deutschen Gedächtnis wie „Luftschutzbunker“ und „Flucht & Vertreibung“.

Daran knüpft Kerstan mit seinen Schlagworten „Gemeinschaftsraum“, „Gemeinschaftsgefühl“, „Förderung von Nachbarschaft“ und „Selbstversorgung“ an – bewusst oder unbewusst, denn die Bedeutungen von damals werden im kollektiven deutschen Gedächtnis bis heute tradiert.

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Urban Gardening auf „Hitlers Superbunker“

Nazi-Bunker
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Urban Gardening 1945 und 2015
Die Wiederkehr des Verdrängten
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■ DER ESSBARE NAZI-TURM
Urban Gardening auf „Hitlers Superbunker“

Der 39 Meter hohe Flakturm IV in Hamburg-St.Pauli wurde zwischen 1941 und 1943 von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus allen Teilen Europas und der Sowjetunion errichtet.

Hauptweck war die Abwehr der alliierten Bomber durch Flak-Feuer. Dass das Gebäude auch als „Schutzbunker“ gegen „angloamerikanische Terrorangriffe“ ausgeführt wurde, hatte für die Nazis vor allem einen propagandistischen Aspekt, da es nur zwei solcher Bunker gab. Die bis heute wirkende Architektursprache von „Hitlers Superbunker“ (Spiegel) war vor allem eine Machtdemonstration des NS-Regimes: Als diese Bunker fertig waren, war das Ende des Nationalsozialismus schon absehbar.

In Hamburg werden diese Nazi-Bauten bis heute als Einrichtungen zum Schutz der Bevölkerung gesehen und nicht als Flak-Türme und besonders nicht als Mahnmale der massenhaften Ausbeutung und Entwürdigung von Menschen im Nationalsozialismus. Ein konkretes Wissen um den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern gibt es kaum, weil das nicht wirklich interessiert.

In der „Bombenkriegs-Debatte“ der letzten Jahre stand der „Feuersturm“ im Mittelpunkt. Die „Operation Gomorrha“ bewies nach Ansicht aller Medien vor allem die „Sinnlosigkeit“ der alliierten Angriffe, die als „unverhältnismäßig“ und daher als Kriegsverbrechen dargestellt wurden. Es spielt in Hamburg auch keine Rolle, dass im KZ Neuengamme mehr Menschen ums Leben kamen als bei den Luftangriffen. Eben weil es die Erinnerung der Tätergesellschaft ist, die immer wieder an die Jungen tradiert wird.

Bei einer Gedenkveranstaltung 20o3 bezeichnete Ole von Beust als Hamburger Bürgermeister und Chef der Schill-Partei/CDU-Koalition die Luftangriffe als „Zivilisationsbruch“ und „schreckliche Perversion der Allmacht der Technik, bei der alle Grenzen des Menschlichen und der Moral gesprengt“ worden seien.
Eine historische „Einordnung“ und ein Hinweis auf die Opfer-Gruppen der NS-Zeit fehlten völlig (s. Welt, 24.7.2003).

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Diese Hamburger „Erinnerungskultur“ machte auch den Weg für die kommerzielle Nutzung des Flakturms auf dem Heiligengeistfeld frei. Nachdem er zuerst nur als Medienzentrum genutzt wurde, kam schließlich die Pop-Linke dazu und eröffnete mit dem Club „Uebel & Gefährlich“ dort das “Flaggschiff der Party-, Livemusik- und Veranstaltungsszene Hamburgs”. Mit ihren dicken Wände habe diese Location ein „ganz besonderes Flair“ heißt es auf einer Nachtclub-Website.

Formal hielten Hamburger Medien und Behörden daran fest, dass es sich bei dem Flak-Turm um ein unter Denkmalschutz stehendes „Kriegsmahnmal“ handele, das nach Meinung einiger „Denkmalschützer“ so etwas wie „Respekt vor der Vergangenheit“ (!) einflöße. Die Bezeichnung des Nazi-Flak-Turms als „Kriegsmahnmal“ schließt direkt an die Erinnerung an den „Feuersturm“ im Sinne der Beust-Rede an.

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Jetzt wollen clevere Vermarkter des Urban Gardening den Flak-Turm für 25 Millionen Euro um vier Etagen und 20 Meter aufstocken und den ganzen Bunker oben mit Salat und Tomaten bepflanzen. Aus dem Nazi-Bunker soll sozusagen der „Essbare Nazi-Bunker“ werden.

Um das Gebäude herum soll ein begrünter Aufgang zum Dach so gewickelt werden, dass von dem irgendwie doch als „düster“ empfundenen Bunker kaum noch etwas zu sehen sein wird.

„Hamburg“ war sofort absolut begeistert. Die Stadt versprach rund zwei Millionen Euro Soforthilfe und die Medien (Abendblatt, Morgenpost, Welt, ZEIT-Hamburg-Beilage) brachten den Urban Gardening-Entwurf auf den Titelseiten: „Irrer Plan für Pauli-Bunker“.

Bis auf eine Handvoll „Denkmalschützer“, die daran erinnerten, dass der Nazi-Turm doch ein (Feuersturm-) „Mahnmal“ sei , ist man in Hamburg vor allem von der Möglichkeit begeistert, mit Hilfe von Urban Gardening den Nazi-Bau am Ende doch noch umdeuten bzw. unsichtbar machen zu können.

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Heiligengeistfeld
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Der Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld wurde zwischen Frühjahr 1941 und Sommer 1942 errichtet (die angebliche Fertigstellung in 300 Tagen war Nazi-Propaganda). Oben: Herbst 1941 – Die Bunkerhülle ist weitgehend fertiggestellt, der Innenausbau ist hingegen noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig wurde an dem Leitturm an der heutigen Budapesterstraße gebaut. Unten: Einsatz von Zwangsarbeitern und sogenannten Fremdarbeitern. Sie leben teilweise direkt in Lagern neben den beiden Baustellen der Organisation Todt. Eines der Todt-Lager befand sich in den Hallen des Eimsbütteler Turnverbandes. Andere im im „Theater des Westens“, Schulterblatt 151 und im Schröderstift (Schröderstiftstraße 34).

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Eimsbütteler Querfront Nachrichten

Hamburg-Eimsbuettel
Die Fotos zu diesem Beitrag sind chronologisch geordnet

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Privatisierung des öffentlichen Raums von unten

Ein neoliberales Querfront-Bündnis aus CDU und Linkspartei
setzt in Hamburg-Eimsbüttel
mit rechtspopulistischen Methoden den Wahlkampf-Slogan
Für Sicherheit und Sauberkeit – gepflegte Parks und Plätze“
praktisch um.

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Ein Kommentar mit 6 Abbildungen

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Der Blockwart von einst heißt heute Wegewart und gilt als ein grüner Rebell. Zum „Beete-Rebell“ machten in Hamburg-Eimsbüttel die Lokalmedien (Anzeigenblätter bis NDR) einen Rentner, der an der Ecke zweier öffentlicher Gehwege spießige Stiefmütterchen und anderes Zeug aus dem Gartencenter anpflanzte.

Der Mann bezeichnet sich selbst als „Hobbygärtner“, die Medien erhoben ihn zum „Stadtteilgärtner“. Der Ort, an dem dieser Mann ziemlich autoritär anderen seine Vorstellung von öffentlicher Ordnung aufzwingen will, ist kein privater Schrebergarten und auch keine Straßenbaum-Umrandung vor dem eigenen Haus, sondern eine entfernter gelegene Gehwegecke. Dorthin pilgert der „ehrenamtliche Gärtner“ (Wochenblatt) regelmäßig mit Gartengerät und Gießkanne. „Ich pflege seit drei Jahren mehrere Beete hier. Ich bin täglich hier. Das ist dem Bezirksamt bekannt.“

Warum einer so etwas macht? Klar, im öffentlichen Raum sind eine Menge eigenartiger Leute irgendwie aktiv, zum Beispiel weil sie einsam sind oder weil sie seit der Rente ihrer Frau zuhause auf die Nerven gehen. Allerdings geht es schon über gängige Verrücktheiten hinaus, wenn jemand ständig mit der Gießkanne unterwegs ist, um an öffentlichen Gehwegen – ohne sich um andere zu scheren – Stiefmütterchen zu pflanzen und diese Orte dann als SEINE Ecken betrachtet.

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Die Frage ist daher nicht, wieso einer so etwas tut, sondern wieso er glaubt, es tun zu KÖNNEN – unter den Augen hunderter Passanten, die sich ja immerhin wundern über eine Privatperson, die da am Wegesrand herumstochert und offensichtlich nicht vom Gartenbauamt ist.

Die Passanten, die täglich diesen Mann graben und buddeln sehen, werden wahrscheinlich von Gardenguerilla als einer Variante von Urban Gardening gehört haben. Aber dieser Rentner ist ganz offensichtlicher ein Einzelgänger und er sieht auch eher aus wie ein pensionierter Sparkassen-Angestellter als wie ein Öko-Anarchist.

Das Rätsels Lösung ist zum Beispiel auf den Wahlplakaten des pro-klerikalen Rechtspopulisten Dietrich Wersich zu finden:

„Für Sicherheit und SAUBERKEIT. Mehr Polizisten. Null Toleranz gegen Gewalt. GEPFLEGTE PARKS und PLÄTZE.“

Und genau so spricht auch dieser „ehrenamtliche Stadtteilgärtner“, wenn er dagegen protestiert, dass die Behörde seine Stiefmütterchen abgeräumt hat:

Für die PFLEGE unseres QUARTIERS ist keine Zeit und kein Geld da, aber für die Beet-Zerstörung reicht es allemal!“

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Das „grüne Engagement“ des selbst ernannten Wegewarts ist nichts anderes als ein Statement für Sicherheit & SAUBERKEIT, inszeniert als konformistischer „Protest“ gegen eine zu lasche Obrigkeit. Die Kontextualisierung von „GEPFLEGTE PARKS“ und „mehr Polizei“ auf den Wersich-Plakaten ist ein Code, den spätestens seit dem Siegeszug der Schill-Partei in Hamburg alle verstehen – und gewiss auch dieser Wegewart, den schon das „unordentliche“ Gebüsch an einer Weggabelung stört.

Gepflegte Parks und Plätze“ meint: frei von Pennern, Junkies und anderem Pöbel. Erziehung der anderen zu Ordnung & Sauberkeit. Gerade Beete-Kanten als Volkspädagogik. Aufräumen. Ungepflegte Parkanlagen und andere Schmuddelecken ziehen in den Angsträumen biodeutscher „Anwohner“ Taschendiebe, Wohnungseinbrüche und Autoaufbrüche nach sich. Dagegen sollen Stiefmütterchen helfen wie ein Kreuz gegen Vampire.

Die neuen Wegewarte wissen sich einig mit der Mehrheit. Als der Bezirk die eigenmächtig angelegten Blumenbeete planierte, wurden die Ressentiments deutlich: „Eimsbüttel steht hinter ihm. Mehr als 1.400 Bürger unterstützen ihn.“

Der konformistische Aufstand der Angepassten richtet sich niemals gegen Eimsbütteler Konzerne und Großsportvereine, die im Eimsbütteler Kerngebiet komplette öffentliche Räume privatisieren, ganze Wohnstraßen als Betriebsgelände nutzen und deren Angestellte und Besucher ihre Autos auf jeder Straßenbaumumgrenzung parken. Genau deshalb ist der Aufstand der Angepassten ein Lieblingsthema der Lokalpresse, die immer auf der Suche nach Themen ist, die Konzernen, einflussreichen Großsportvereinen und anderen Anzeigenkunden nicht weh tun. Weil die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes für diese Blätter ein Tabuthema ist, werden „Beete-Rebellen“ zum großen Ausweichthema.

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Aufallend ist der neoliberale Tonfall in den medialen „Solidaritätsbekundungen“ für die neuen Wegewarte. Kritisiert wird, dass das Bezirksamt Eimsbüttel „die Arbeit eines Hobbygärtners zerstört, der SEIN Viertel auf EIGENE Kosten schöner machen will.“

Dieses Lob der „Eigeninitiative“ plappert nach, was in Hamburg zehn Jahre Politik des Beust-Senates war, aber auch das, was die Substanz der Hartz-IV-Gesetze ist: Frage nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern aktiviere Dich selbst. Dieses neoliberale Mantra wird kombiniert mit der christlichen Aufwertung unbezahlter „ehrenamtlicher“ Tätigkeit, die auch als notwendige Antwort auf die angebliche Ebbe in den öffentlichen Haushalten dargestellt wurde und wird.

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Die Werbeblätter erkennen in dem „Beete-Rebell“ die Idealfigur eines entpolitisierten Konsum-Bürgers, dem die Errungenschaften der Aufklärung nichts mehr bedeuten. Die bürgerliche Revolution hatte einst den Staatsbürger als Citoyen (von cités) hervorgebracht, der von seiner empirischen Existenz (als Kaufmann oder Angestellter) abstrahiert, wenn er sich zu öffentlichen Angelegenheiten äußert, die in die Arena der Politik gehören. Der post-politische Konsum-Bürger ist nicht zufällig vor allem ein Held der kommerziellen Werbeblätter, in denen Politik privatisiert und auf die Betroffenheits-Kategorie des „Anwohners“ herunter definiert wird. Der „Anwohner“ ist die Gegenfigur zum Staatsbürger, sein Interesse endet am Gartenzaun bzw. an der Grenze seines „Quartiers“, das gegen alle Varianten von UNSAUBERKEIT verteidigt werden soll.

In den Lokalmedien wird der Mann besonders dafür gelobt, dass er den Staat durch seine Eigeninitiative auf vorbildliche Weise ENTLASTET, indem er den öffentlichen Raum nach seinem Geschmack „pflegt“: „Die Stadt schafft das ja nicht mehr“. Man soll also nicht auf die politischen Entscheidungen der Kommune einwirken („mehr Personal für die Parkpflege“) sondern die Sache mit Rücksicht auf die angeblich schlechte Kassenlage (für die HSH Nordbank reichte es immerhin noch) SELBST in die Hand nehmen und auch selbst finanzieren.

Gleich mehrfach wird die Privatinitiative des Wegewartes auf öffentlichem Grund als Kompensation für einen angeblich handlungsunfähigen Staat dargestellt: „Warum wird hier Zeit und Geld verschwendet, um ein Beet zu räumen anstatt kaputte Gehwegplatten zu erneuern oder verwilderte Grünflächen schön zu machen? (…) Kümmert Euch um die echten Stolperfallen, Schlaglöcher und verwilderten Ecken!“

Die Stadt ist kaputt und verwildert! Jeder weiß, dass damit mehr gemeint ist als eine ungeschnittene Hecke. Wenn der Staat seinen Ordnungsaufgaben nicht nachkommt, muss die gärtnerische Bürgerwehr ran. Das ist es, was mal gesagt werden soll.
Der „Beete-Rebell“ ist nach dieser Lesart der Prototyp jener „aufgeweckten und engagierten Bürger, die lieber mal SELBST was in die Hand nehmen als sich mit einer trägen Bürokratie auseinander zu setzen.“

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Die „träge Bürokratie“ der „hochbezahlten Behördenmitarbeiter“, die in einigen Anzeigenblättern auch „Schreibtischtäter“ genannt wird (das passt zur „Vernichtung“ der Blumenbeete, die auf einem Plakat angeprangert wird), ist der klassische Gegner von Neoliberalen und Rechten. Für beide Strömungen ist „die Bürokratie“ (die man im Gegensatz zu Gewerbetreibenden gefahrlos angreifen kann, weshalb Bürokratiekritik bei Anzeigenblättern besonders beliebt ist) grundsätzlich überteuert, träge und ineffizient. Das beste Mittel gegen Bürokratie ist Privatisierung. Auf privaten Flächen herrscht bekanntlich Ordnung & Sauberkeit.

Erste Adresse dieser bürokratiekritischen Stimmung ist der Sozialstaat. Danach kommen die „schwachen“ Behörden, die nicht für Recht, Ordnung und Sauberkeit sorgen und sich dann auch noch der Selbstjustiz und anderen Formen der Selbstermächtigung in den Wege stellen.

Da der rechtsneoliberale Bürokratiekritiker wegen seiner kostengünstigen „Eigeninitiative“ lagerübergreifend politisch gewollt ist, haben am Ende weder Behörden noch herrschende Sozialdemokratie etwas gegen ihn in der Hand: „Wir begrüßen das Engagement von Bürgern bei der Grünpflege. Vor intensiveren (!) Maßnahmen ist es aber sinnvoll (!), sich mit dem Bezirksamt abzustimmen“, sagt Gabor Gottlieb von der SPD.

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Die Auseinandersetzung endet also nach sechs Monaten mit der Wochenblatt-Meldung:

Beet-Rebell kann weiter gärtnern“. (12/2014)

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Der deutsche Garten ist normalerweise ein Narkotikum. Seit aber Gastwirte Straßenbaumumrandungen durch Bepflanzung privatisieren und in Mittelschichtvierteln mit kleinen Zäunchen geschützte Blumenbeete jeden Baum umgeben, ist der deutsche Gartenzwerg ein aktivistischer Umwelt-Sheriff und Anwalt von „Sicherheit & Sauberkeit“.

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Da möchte auch die rechtspopulistische Eimsbütteler Linkspartei nichts abseits stehen: „Mitglieder der Linken packten am Sonnabend kurzerhand selbst an: Sie pflanzten einfach ein paar Blumen wieder ein“ melden die Anzeigenblätter. Und: „Anstelle einer Politik des Plattmachens sollte das Bezirksamt solche Initiativen loben und unterstützen, sagt zum Beispiel Hartmut Obens von der Eimsbütteler Linken.“

Tatsächlich hat die Eimsbütteler LINKE zusammen mit der Eimsbütteler CDU unter dem Slogan „Blumen statt Bitumen“ eine Gartenzwerg-Querfront („Parteiübergreifender Protest“) gebildet („Aktion gegen Bürokratie des Bezirksamts Eimsbüttel“) und schaffte es damit auf die Titelseiten der Werbeblätter.

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Die Eimsbütteler LINKE gehört seit ihrer Gründung 2007 gewiss zu den ganz besonders verkommenen Bezirksgruppen der Hamburger Linkspartei. Es gibt dort Funktionäre, die vertreten, selbst NPD-Mitglieder seien nicht unbedingt Nazis, sondern Leute, deren Kapitalismuskritik auf halben Weg stehen geblieben sei. Die meisten kennen kein Kapital mehr, sondern nur noch „Spekulanten“. Diese Leute sind Intimfeinde des kritischen Denkens. Sie bekämpfen das Denken auch bei sich selbst, damit ihnen jede Anpassung gelingt, denn sie sind Mitglieder eines Wahlvereins, der nur ein Ziel hat – das anerkannte Dabeisein.

Ihre „Lokalpolitik“ ist mit der CDU nicht zufällig vollständig kompatibel. Ihre Themen („Tempo 30“, „Radwege in der Hauptgeschäftsstraße“ etc.) sind alle im Stil der „Blumen statt Bitumen“-Aktion aufgezogen.

Entsprechend dummrechts und neoliberal ist ihre Begründung für ihren „parteiübergreifenden Protest“ gegen die „Bürokratie“: „Wenn schon die Stadt keine Gelder für die Pflege der öffentlichen Grünanlagen hat (!) und die Bürger ständig zu Patenschaften aufruft, muss auch individuelles Handeln wie das des Herrn Böhle akzeptiert werden.“

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CDU und LINKE: Das Eimsbütteler Querfrontbündnis

Querfront
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Privatisierung des öffentlichen Raums von unten
Ein neoliberales Querfront-Bündnis aus CDU und Linkspartei setzt in Hamburg-Eimsbüttel mit rechtspopulistischen Methoden den CDU-Wahlkampf- Slogan „Für Sicherheit und Sauberkeit – gepflegte Parks und Plätze“ um.
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Konformistische Rebellion: „Bezirksamt vernichtet unsere Blumenbeete“

Bezirksamt
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Ein neoliberales Querfront-Bündnis aus CDU und Linkspartei setzt in Hamburg-Eimsbüttel mit rechtspopulistischen Methoden den CDU-Wahlkampf- Slogan „Für Sicherheit und Sauberkeit – gepflegte Parks und Plätze“ um.
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Bezirksversammlung Eimsbüttel

linksfraktioneimsbuettelde
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■ www.linksfraktion-eimsbuettel.de
mit
www.engagiert-fuer-eimsbuettel.de (CDU-Fraktion)
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Ein neoliberales Querfront-Bündnis aus CDU und Linkspartei setzt in Hamburg-Eimsbüttel mit rechtspopulistischen Methoden den CDU-Wahlkampf- Slogan „Für Sicherheit und Sauberkeit – gepflegte Parks und Plätze“ um.
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CDU und Linkspartei beim „parteiübergreifenden Protest“

Agaplesion-Eimsbüttel Vergrößern mit Rechtsklick

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■ Eimsbütteler LINKE
Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel: Hartmut Obens, Manuela Pagels, Jürgen Kahlert, Zaklin Nastic, Peter Gutzeit.

"Es war feucht und kalt, doch Jürgen Kahlert und Peter Gutzeit, Abgeordnete der Eimsbütteler Linksfraktion, stießen gemeinsam mit CDU-Mitglied Ellen Schuttrich auf Herrn Böhle´s Zivilcourage an.

Böhle ließ sich nicht einschüchtern. Er übte Widerstand, sammelte Unterschriften der Nachbarn und informierte die Medien. Jetzt darf er wieder pflanzen. Und nicht nur am umstrittenen Standort, sondern auch in der Umgebung am Heußweg /Wiesenstraße. "

http://www.linksfraktion-eimsbuettel.de/uploads/media/2014.11.30.PM_Blumenrebell_siegte.pdf
http://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/wp-content/uploads/2014/11/4780-Beet-gerettet-900.jpg

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Astroturfing
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Ellen Schuttrich

• 56 Jahre, beschäftigt bei Agaplesion-Hamburg
• Seit 1997 in der Eimsbütteler CDU aktiv.
• 2002/2003 Mitglied einer von der Agaplesion AG gegründeten Astroturfing-Bürgerinitiative, die FÜR die Privatisierung einer kommunal-öffentlichen Großfläche im Kerngebiet von Hamburg-Eimsbüttel zugunsten von Agaplesion warb. (Die „Gegen-Bürgerinitiative“ sollte den Privatisierungsgegnern das Wasser abgraben).
• Mitglied im Kerngebietsausschuss des Bezirks
• Im Vorstand der CDU-Eimsbüttel.
• Fanatische Anhängerin des Rechtssenats von Ole von Beust

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Taz-Hamburg, 25.02.2008
Ole ist König – das reicht
Die CDU hatte sich für den Wahlabend auf eine große Party eingestellt und sie ist nicht enttäuscht worden. Solange es Ole von Beust gibt, scheint die CDU getrost die Fischmarkthalle mieten zu können. Die CDU kommt auf 42,6 Prozent.
Ich habe mir ein bisschen mehr erwartet“, sagt Ellen Schuttrich, die für die CDU im Eimsbütteler Kerngebietsausschuss mitarbeitet. „Es hat sich die Ehrlichkeit ausgezahlt“, vermutet sie. Die CDU habe den Hamburgern ein Sparprogramm zugemutet. Sie sollten verzichten, um die Stadt für die Globalisierung zu rüsten und zukunftsfähig zu machen. Das habe sich ausgezahlt. Als Lieblingskoalition wünscht sich die ältere Dame eine mit der FDP. Danach kommt für sie lange erstmal nichts und dann vielleicht die Sozialdemokraten.

• http://cdu-in-eimsbuettel.de/uber-uns/der-vorstand/
• http://www.cdu-stellingen.de/image/wahlkreis6-flyer.pdf
• http://hh-wahlkreis-6.de/Daten/eimsb.pdf
• http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ha&dig=2008%2F02%2F25%2Fa0196&cHash=59c0abd5d4

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Mehr Sicherheit und Sauberkeit in den Eimsbütteler Parks

�ffentlicher Raum
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Vor zehn Jahren
gab es einen ähnlichen Fall in Hamburg-Eimsbüttel

Mitten in der großzügigen (und sehr „gepflegten“) öffentlichen Parkanlage, in der die denkmalgeschützten Grindelhochhäuser stehen,

legte eine Mieterin einen privaten „Garten Kunterbunt“ an. Weder die Meinung der Nachbarn noch die der Parkverwaltung interessierte sie bei dieser Privatisierungs-Aktion. Als die Behörde sich gegen diese „Verkleingärtnerung von großräumigen Parkstrukturen“ verwahrte, war der Diskurs der aufdringlichen „Quartiersgärtner“ schon so dominant, dass die Medien auch aus dieser Frau eine ehrenamtliche Eigeninitiative-Heldin im Kampf gegen die Bürokratie machten. Die Behörde musste nachgeben.

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Die zivilisatorische Errungenschaft moderner öffentlicher Parkanlagen seit der Aufklärung, die eine Symbiose hoher Gartenkunst und demokratischer Öffentlichkeit darstellen, ist dem Verkleingärtnerungs-Milieu und seinen populistischen Unterstützern nicht mehr zu vermitteln.

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Bewirkt haben das allerdings nicht die Leute, die sich ein oder zwei Quadratmeter im öffentlichen Park privat aneignen.
Sie kopieren nur im Miniformat, was im ganz großen Maßstab überall passiert:

• Privatisierung kommunal-öffentlicher Flächen (gerade in Eimsbüttel),
• „dichte Bebauung“ von Grünflächen zwischen Wohnsiedlungen, deren großzügig bemessene Grundflächenzahl einst die Folge einer aufgeklärten Stadtplanung war, die noch wusste wie wichtig Licht und Blickachsen sind.

Auch die städtischen Parks waren Antworten auf die schlechte Lebensqualität. Ganz bewusst wollte man dort keine kleinteiligen Blumenbeete wie im Hinterhof oder Schrebergarten , sondern großzügige Durchsichten.

Mit der neoliberalen Inwertsetzung des Städtischen wurden diese aufgeklärten Konzepte einfach beseitigt. Verordnungen zur Vermeidung einer Verschattung von Wohnhäusern wurden aufgehoben, damit Immobilienbesitzer noch einige Stockwerke draufsetzen können und die Stadtplanung wurde in Hamburg faktisch an Grundstückseigner und Developer übergeben.

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Hamburger Abendblatt, 30.04.2004
Amtsschimmel in Frau Lehmanns Garten
Sie pflanzte Blumen zwischen die Häuser – jetzt will der Bezirk das unterbinden.

Dieses Fleckchen Erde ist für mich so etwas wie ein nach außen verlegter Kontaktraum, ein Treffpunkt für Naturliebhaber, Ruhesuchende, Einsame, für psychisch Angeknackste und für die Kinder aus den Häusern“, sagt Rosemarie Lehmann (69). Vor einem Jahr hat sie den kleinen Garten Kunterbunt angelegt. Der steht jetzt vor dem Aus. Der Grund: Das Bezirksamt Eimsbüttel hat sich eingeschaltet. für ihn ist der Garten Kunterbunt eine „Verkleingärtnerung von großräumigen Parkstrukturen“. „Würden wir den Garten zulassen, hätte das Signalwirkung für andere, die dann auch beginnen, dort ihren eigenen Garten anzulegen“, sagt Thomas Pröwrock, Leiter der Gartenbauabteilung. Viele (es waren 3) Anwohner schütteln da nur mit dem Kopf. Denn (!) den Bezirk Eimsbüttel kostet dieses Beet keinen einzigen Cent.

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Beeterebell
Linke, CDU und BILD für den Beete-Rebell