Jens Kerstan unterstützt Urban Gardening

Jens Kerstan
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Urban Gardening 1945 und 2015
Die Wiederkehr des Verdrängten
Kommentar mit 4 Abbildungen

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Urban Gardening und die deutsche Erinnerung

NDR, 08.08.2014
Grüne unterstützen Urban Gardening

Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen möchte in Hamburg die Anpflanzung von Obst, Gemüse und Kräutern fördern, die jeder Bürger pflegen und ernten kann. Unter dem Motto „Hamburg essbar machen“ pflanzten am Freitag im Kellinghusenpark Jens Kerstan, Vorsitzender der Fraktion, Martin Bill, umweltpolitischer Sprecher, und Carmen Wilckens, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bezirk Nord, Himbeeren und Brombeeren.

„Wir wollen den öffentlichen Raum zu einem Gemeinschaftsraum gestalten“, sagte Kerstan. Grünanlagen seien für alle da.

Über ihre Fraktionen in den Bezirken wollen sich die Grünen dafür einsetzen, dass die Stadt bei Nachpflanzungen künftig Obstbäume, Beerensträucher oder Kräuter in die Beete setzt. Außerdem sollen Bürger dabei unterstützt werden, wenn sie in Eigeninitiative vor ihrer Haustür den Straßenrand bepflanzen wollen.

In den Hamburger Bezirken stößt der Vorschlag der Grünen auf verhaltene Zustimmung, wie NDR 90,3 berichtete. Im Bezirk Eimsbüttel gibt es sogar Ärger. An einer Ecke ließ der Bezirk ein von einem Bürger angelegtes Beet beseitigen. Anwohner zeigten sich verärgert.

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Schwarzgrünes Bürgertum: Jens Kerstan

Kerstan ist Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft und der schwärzeste unter den schwarzen Hamburger Grünen. Er war der erste, der sich dafür aussprach, dass die Grünen – wie zuvor die Schill-Partei – eine Koalition mit Ole von Beust eingehen. Während der Zeit des schwarzgrünen Senats wurde Kerstan Vorsitzender der Öko-Bürgerschaftsfraktion. Er war auch der erste, der für die Fortsetzung von Schwarzgrün unter dem Burschenschafter und Beust-Nachfolger Ahlhaus warb.

Kerstan stimmte schon als „Oppositions-Politiker“ (in Hamburg gibt es keine Opposition) allen Privatisierungs-Projekten des Rechtsenates zu. (Kerstan stimmte für den Agaplesion-Bau auf kommunalem Grund und – anders als etwa Kersten Arthus von der Linkspartei behauptet –, war er – wie Martin Schäfer (SPD) – nicht gegen die Privatisierung der kommunalen Kliniken, sondern gegen den zu niedrigen Verkaufspreis).

Dass Kerstan ein neoliberaler Gegner des „Wohlfahrtsstaates“ ist, sagt er selbst in seinem Buch „Demografie und Demokratie: Zur Politisierung des Wohlfahrtsstaates“, das 2012 von Reemtsmas Verlag herausgegeben wurde. (Inhalt: der demografische Wandel entzieht dem „Wohlfahrtsstaat“ die Grundlagen, weshalb mehr staatliche Aufgaben von privaten Anbietern übernommen werden müssen).

Im Hamburger Abendblatt heißt es zu Kerstan:

„Er ist einer der Architekten des schwarz-grünen Bündnisses. 2002 zog er in die Bürgerschaft ein und kümmerte sich fortan um Wirtschaftspolitik – mit Forderungen nach weniger Staat wirkte er dabei gelegentlich wie ein FDP-Mann. Er schmiedete schließlich das Bündnis mit der CDU. Seine Vita passt zu der These, wonach sich in einem schwarz-grünen Bündnis das Bürgertum wiedervereinigt. Alle gut ausgebildet und gut betucht.“

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Zitate

„Wir wollen den öffentlichen Raum zu einem Gemeinschaftsraum gestalten, sagte Kerstan. Grünanlagen seien für alle da.“ (NDR)

Für die Grünen geht es beim Urban Gardening um einen pädagogischen Nutzen, denn das Gestalten der öffentlichen Räume würde das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.“ (Sat 1 regional)

Urban Gardening bietet große Chancen für soziale Integration, Förderung von Nachbarschaft und für die Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln“ (Kerstan, Kleine Anfrage an den Senat)

Urban Gardening statt Suppenküchen:
„Während sich vor den Tafeln die Schlangen bilden, könnte doch viel besser im öffentlichen Raum für Nahrung ansatzweise gesorgt werden.“ 18.03.2015

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Deutsche Erinnerung:
Gemeinschaftsraum, Gemeinschaftsgefühl, Förderung von Nachbarschaft, Selbstversorgung

An wen denkt der Grüne, wenn er sagt: „Grünanlagen sind für alle da“? Es gibt ja keine Kontrollen und Zugangsbeschränkungen. Außer: Man darf dort zum Beispiel kein Wochenendhaus hin bauen und keine Bäume absägen. Parks sind tatsächlich für alle, die dort flanieren, rumsitzen oder rennen wollen. Parks sind also schon ein „Gemeinschaftsraum“.

„Gemeinschaft“ aber nicht im Sinne von Volksgemeinschaft, sondern einer Gemeinschaft der einzelnen Bürger, die im Kapitalismus gerade nicht verpflichtet sind ihre Nachbarn zu lieben oder deren Stiefmütterchen-Geschmack zu teilen.

Da Kerstan mit „für alle“ und „Gemeinschaftsraum“ etwas fordert, was es längst gibt, bleibt nur der Schluss, dass ihm eine andere Art von Gemeinschaft vorschwebt, nämlich so etwas wie „Gemeinschaftsgeist“, der durch kollektives Schaufeln entsteht, gemeinschaftsfeindliche Bestrebungen durch soziale Kontrolle unterbindet und durch kollektive Rituale eine Survival-Kultur entwickelt: „Selbstversorgung“ für die „Krise“, die auch Krieg heißen kann.

Natürlich glaubt Kerstan nicht, dass im Stadtpark angebaute Brombeeren beim nächsten Waffengang von Deutscheuropa irgendjemand helfen würden, aber erstens geht es ihm nicht um die Beeren, sondern um den Gemeinschaftsgeist und zweitens teilen sich solche Phantasien zuerst immer unbewusst mit.

Urban Gardening betrieben die Deutschen unfreiwillig nach der bedingslosen Kapitulation 1945, nachdem sie die europäischen Juden ermordet und ganz Europa (inbesondere die Sowjetunion) verwüstet hatten. Urban Gardening, das damals noch innerstädtischer Ackerbau genannt wurde, gehört zum (geschichtsrevisionistischen) kollektiven deutschen Gedächtnis wie „Luftschutzbunker“ und „Flucht & Vertreibung“.

Daran knüpft Kerstan mit seinen Schlagworten „Gemeinschaftsraum“, „Gemeinschaftsgefühl“, „Förderung von Nachbarschaft“ und „Selbstversorgung“ an – bewusst oder unbewusst, denn die Bedeutungen von damals werden im kollektiven deutschen Gedächtnis bis heute tradiert.

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