Urban Gardening auf „Hitlers Superbunker“

Nazi-Bunker
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Urban Gardening 1945 und 2015
Die Wiederkehr des Verdrängten
Kommentar mit 4 Abbildungen

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■ DER ESSBARE NAZI-TURM
Urban Gardening auf „Hitlers Superbunker“

Der 39 Meter hohe Flakturm IV in Hamburg-St.Pauli wurde zwischen 1941 und 1943 von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus allen Teilen Europas und der Sowjetunion errichtet.

Hauptweck war die Abwehr der alliierten Bomber durch Flak-Feuer. Dass das Gebäude auch als „Schutzbunker“ gegen „angloamerikanische Terrorangriffe“ ausgeführt wurde, hatte für die Nazis vor allem einen propagandistischen Aspekt, da es nur zwei solcher Bunker gab. Die bis heute wirkende Architektursprache von „Hitlers Superbunker“ (Spiegel) war vor allem eine Machtdemonstration des NS-Regimes: Als diese Bunker fertig waren, war das Ende des Nationalsozialismus schon absehbar.

In Hamburg werden diese Nazi-Bauten bis heute als Einrichtungen zum Schutz der Bevölkerung gesehen und nicht als Flak-Türme und besonders nicht als Mahnmale der massenhaften Ausbeutung und Entwürdigung von Menschen im Nationalsozialismus. Ein konkretes Wissen um den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern gibt es kaum, weil das nicht wirklich interessiert.

In der „Bombenkriegs-Debatte“ der letzten Jahre stand der „Feuersturm“ im Mittelpunkt. Die „Operation Gomorrha“ bewies nach Ansicht aller Medien vor allem die „Sinnlosigkeit“ der alliierten Angriffe, die als „unverhältnismäßig“ und daher als Kriegsverbrechen dargestellt wurden. Es spielt in Hamburg auch keine Rolle, dass im KZ Neuengamme mehr Menschen ums Leben kamen als bei den Luftangriffen. Eben weil es die Erinnerung der Tätergesellschaft ist, die immer wieder an die Jungen tradiert wird.

Bei einer Gedenkveranstaltung 20o3 bezeichnete Ole von Beust als Hamburger Bürgermeister und Chef der Schill-Partei/CDU-Koalition die Luftangriffe als „Zivilisationsbruch“ und „schreckliche Perversion der Allmacht der Technik, bei der alle Grenzen des Menschlichen und der Moral gesprengt“ worden seien.
Eine historische „Einordnung“ und ein Hinweis auf die Opfer-Gruppen der NS-Zeit fehlten völlig (s. Welt, 24.7.2003).

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Diese Hamburger „Erinnerungskultur“ machte auch den Weg für die kommerzielle Nutzung des Flakturms auf dem Heiligengeistfeld frei. Nachdem er zuerst nur als Medienzentrum genutzt wurde, kam schließlich die Pop-Linke dazu und eröffnete mit dem Club „Uebel & Gefährlich“ dort das “Flaggschiff der Party-, Livemusik- und Veranstaltungsszene Hamburgs”. Mit ihren dicken Wände habe diese Location ein „ganz besonderes Flair“ heißt es auf einer Nachtclub-Website.

Formal hielten Hamburger Medien und Behörden daran fest, dass es sich bei dem Flak-Turm um ein unter Denkmalschutz stehendes „Kriegsmahnmal“ handele, das nach Meinung einiger „Denkmalschützer“ so etwas wie „Respekt vor der Vergangenheit“ (!) einflöße. Die Bezeichnung des Nazi-Flak-Turms als „Kriegsmahnmal“ schließt direkt an die Erinnerung an den „Feuersturm“ im Sinne der Beust-Rede an.

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Jetzt wollen clevere Vermarkter des Urban Gardening den Flak-Turm für 25 Millionen Euro um vier Etagen und 20 Meter aufstocken und den ganzen Bunker oben mit Salat und Tomaten bepflanzen. Aus dem Nazi-Bunker soll sozusagen der „Essbare Nazi-Bunker“ werden.

Um das Gebäude herum soll ein begrünter Aufgang zum Dach so gewickelt werden, dass von dem irgendwie doch als „düster“ empfundenen Bunker kaum noch etwas zu sehen sein wird.

„Hamburg“ war sofort absolut begeistert. Die Stadt versprach rund zwei Millionen Euro Soforthilfe und die Medien (Abendblatt, Morgenpost, Welt, ZEIT-Hamburg-Beilage) brachten den Urban Gardening-Entwurf auf den Titelseiten: „Irrer Plan für Pauli-Bunker“.

Bis auf eine Handvoll „Denkmalschützer“, die daran erinnerten, dass der Nazi-Turm doch ein (Feuersturm-) „Mahnmal“ sei , ist man in Hamburg vor allem von der Möglichkeit begeistert, mit Hilfe von Urban Gardening den Nazi-Bau am Ende doch noch umdeuten bzw. unsichtbar machen zu können.

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Heiligengeistfeld
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Der Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld wurde zwischen Frühjahr 1941 und Sommer 1942 errichtet (die angebliche Fertigstellung in 300 Tagen war Nazi-Propaganda). Oben: Herbst 1941 – Die Bunkerhülle ist weitgehend fertiggestellt, der Innenausbau ist hingegen noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig wurde an dem Leitturm an der heutigen Budapesterstraße gebaut. Unten: Einsatz von Zwangsarbeitern und sogenannten Fremdarbeitern. Sie leben teilweise direkt in Lagern neben den beiden Baustellen der Organisation Todt. Eines der Todt-Lager befand sich in den Hallen des Eimsbütteler Turnverbandes. Andere im im „Theater des Westens“, Schulterblatt 151 und im Schröderstift (Schröderstiftstraße 34).

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